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Peter Niedertscheider

Biographie

1972 Geboren in Lienz.
1995 bis 1999 Hochschule für angewandte Kunst (Meisterklasse, Hrdlicka, Kowanz), Wien
1999 Stipendium in Rom, Atelier Paliano
2001 Moving out, Mumok Wien
2014 Art Austria, Kunstmesse Wien
2014 und 2015, Lehrender, Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg
2015 Viennafair, Internationale Kunstmesse, Wien
2015 Sammlungsankauf Museum Ferdinandeum


Zum Werk


Text: Rudolf Ingruber


"Bei seiner Beschränkung auf die Marmorbildhauerei, bei gleichzeitiger Ausschöpfung all ihrer Möglichkeiten bezieht Peter Niedertscheider eindeutig Stellung: Ähnlich wie in den Acrylpinselzeichnungen, deren späte Ausformung sich von jeder textuellen Denotation verabschiedet hat, ist auch hier, im Sinne Marshall McLuhans, das Medium die Botschaft."



Peter Niedertscheider – Rilievo Schiacciato reloaded!

Text: Mag. Florian Steininger


Seit 2007 ist der Marmor Peter Niedertscheiders favorisierter Werkstoff, ein Material, das im Kontext der aktuellen Kunst auf den ersten Blick befremdlich erscheinen mag. Niedertscheider hat u.a. bei Alfred Hrdlicka Bildhauerei studiert, dem Doyen der realistischen Skulptur. In der Tradition von Michelangelo und Rodin setzte Hrdlicka in seinen Marmorskulpturen auf Inhalt und Expression in figurativer Form, als Gegenposition zu den formalen Abstraktionen seiner Zeitgenossen nach Wotruba. Selbst in der Kunst nach 1945 galt diese Position als durchwegs anachronistisch, gegen den Strom der Avantgarde gerichtet. Niedertscheider transformiert jedoch die scheinbar klassische Bildhauerei ins konzeptuelle. Hierbei war sicherlich das Studium bei Brigitte Kowanz – gleichsam als Kontrastprogramm zur Hrdlicka-Klasse – impulsgebend. Vor den Marmorreliefs hatte Niedertscheider konzeptuelle Pinselzeichnungen gestaltet: die kleinteiligen Figuren wurden in Zeilen systematisiert und in eine Art Zeichensystem übersetzt. Die Handschrift wurde automatisiert, rhythmisiert, ähnlich einem meditativ konzentrierten Schreiben in der Zen-Kalligrafie. Die dichte Anordnung der Figuren tritt oft auch in den rezenten Marmortäfelchen auf. Es sind zumeist Menschenansammlungen in öffentlichen Räumen, Badestrände mit Gedränge, überfüllte Rave-Parties und sich durch die Museen schiebende Ausstellungsbesucher. Entscheidende Merkmale in den Museums-Bildern ist eine Überschneidung des Zeitlichen und ein Realitäten-Mix. Alltag trifft auf Kunst, das Heute auf Historie. Alles ist aus einem Material geformt, ob die Nike von Samothrake oder ein Tourist mit kurzer Hose, Bananentasche und Ruderleiberl. Der Stein bleibt ungefasst, ehern, unterscheidet nicht in Farbe und Stofflichkeit. Banales scheint überhöht zu werden; die Kunstwerke ihrerseits werden auf eine Ebene mit dem Alltäglichen gestellt. So erscheint ein schlafender Hermaphrodit im Ambiente der Ausstellungs-Touristen wie ein Badender auf seiner Luftmatratze. Tanzende in der Disco werden zu ringenden Kentauren und Halbgöttern. Der Künstler nimmt sich aus der Masse heraus und beobachtet die Besucher beim Betrachten – es sind Reliefs des Blicks. Man denke hierbei an Thomas Struths kolossale Museumsfotografien mit ähnlicher Strategie. Technisch zeugen die Marmortäfelchen von großer Subtilität und feinen Graduierungen. Das Faktische des Materials löst sich zugunsten einer optischen Bildtiefe auf. Ein piktoriales Raumgefüge entsteht. Der Stein wird weich und malerisch. Niedertscheider presst das Relief – Rilievo Schiacciato – wie Donatello beim Drachenkampf des Hl. Georg für die gleichnamige Heiligenfigur für das Skulpturenprojekt an den Hauswänden von Or San Michele in Florenz, als Geburtsort der Skulptur der Neuzeit. Desiderio da Settignano und Michelangelo verfeinerten in Folge diese Relieftechnik. Sechs Jahrhunderte später überführt Niedertscheider das Quattrocento-Flachrelief in eine aktuelle Bildform: Rilievo Schiacciato reloaded!


Ausstellung / Werke

Rilievo Schiacciato
Pandora